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ASB-CombiHub – Die hybride Nutzung bestehender Anschlussbahnen
als intermodale Umschlagsknoten für Kombinierte Verkehre

Das durch die Projektpartner TECHNOMA GmbH und TRAFFIX Verkehrsplanung GmbH umgesetzte Projekt ASB-CombiHub beschäftigte sich mit der Thematik der Eignung und Nutzung von Anschlussbahnen für den Umschlag von Kombinierten Verkehren. Im Rahmen einer Sondierungsstudie wurde innerhalb dieses Projektes die potenzielle Machbarkeit eines solchen Vorhabens untersucht.

Die Versorgung von Ballungsräumen mit Gütern und die wirtschaftliche Gestaltung von Kombinierten Verkehren setzen eine entsprechende Standortwahl für geeignete Umschlagspunkte bzw. Terminals voraus. Das Projekt ASB-CombiHub zielte in einem ersten Schritt darauf ab, Anschlussbahnen im Einzugsgebiet von Ballungsräumen unter Berücksichtigung der Transportnachfrage zu identifizieren und deren Eignung für den Umschlag von Kombinierten Verkehren zu evaluieren. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden zunächst rund 1.100 Anschlussbahnstandorte in Österreich auf Postleitzahl-Ebene geografisch erfasst. Mittels einer GIS-Analyse konnte eine Erstauswahl relevanter Anschlussbahnstandorte getroffen werden. Im Zuge der GIS-Analyse wurden entsprechende Standortkriterien definiert und systematisch analysiert. Mit dem Ziel, die Nachfrageseite abzubilden, wurde als erstes Kriterium das potenzielle Güterverkehrsaufkommen der Regionen (auf Bezirksebene) herangezogen. Als weiteres Kriterium wurde die Lkw-Fahrzeit im Straßenvor- bzw.
-nachlauf zum nächstgelegenen Terminal definiert. Hintergrund dabei war es, eine geografische Differenzierung zu bestehenden Terminal-Infrastrukturen zu erzielen und somit direkte Konkurrenzsituationen zu vermeiden. Als drittes Kriterium der GIS-Analyse wurde die Qualität der Bahnanbindung herangezogen. Hierfür wurde ein 20-km-Korridor (beidseitig jeweils 10 km breit) entlang der Hauptachsen des hochrangigen Schienennetzes definiert.

Anhand der Ergebnisse der GIS-Analyse wurde eine flächendeckende Klassifizierung sämtlicher Anschlussbahnstandorte durchgeführt und eine Einteilung in prioritäre Zielgebiete vorgenommen (sh. Abbildung). Zu Zielgebiet 1 gehören 70 Anschlussbahn-Standorte, die in einem Bezirk mit hohem Güterverkehrsaufkommen und an einer Bahn-Hauptachse, jedoch außerhalb des unmittelbaren Einzugsbereichs bestehender Terminalstandorte liegen. Die 488 Standorte in Zielgebiet 2 unterscheiden sich von Zielgebiet 1 durch räumliche Nähe zu bestehenden Terminals. Diese Standorte wurden im Hinblick auf eine potenzielle Entlastungsfunktion der Terminals in die weiteren Überlegungen einbezogen. Die weiteren Kategorien (insgesamt 587 Standorte) wurden auf Basis der GIS-Analyse im weiteren Projektverlauf nicht näher betrachtet.

Auf Basis der GIS-Analyse und der geografischen Verortung der Anschlussbahnstandorte wurden jene Standorte, die eine besonders hohe Eignung aufweisen, zunächst im Zuge einer Desk-Research im Hinblick auf die konkreten infrastrukturellen Gegebenheiten näher untersucht.

Parallel zur GIS-Analyse wurden verschiedene Umschlagstechnologien hinsichtlich ihrer Eignung für den Einsatz auf Anschlussbahnen im Rahmen einer Sekundärrecherche erhoben und analysiert. Dabei wurden 15 Technologien (z.B. SWABPort, Mobiler, Boxmover) erfasst, die der Kategorie „innovative Umschlagstechnologien“ zuzuordnen sind. Um einen potenziellen Mehrwert dieser Technologien darstellen zu können, wurden auch 7 konventionelle Umschlagstechnologien (z.B. Portalkran, Reach-Stacker) erfasst und gemeinsam analysiert.

Weiters wurden die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Umsetzung eines KV-Umschlags auf Anschlussbahnen untersucht und eine Anforderungscheckliste erstellt, die als Leitfaden für eine potenzielle Umsetzung herangezogen werden kann. Anhand dieser Liste wird auch die mögliche Subventionierung durch die Förderung für Anschlussbahnen bzw. für Terminals dargestellt.

Aufbauend auf den Analysen wurden mit 10 Anschlussbahn-Unternehmen persönliche Interviews bezüglich des ASB-CombiHub Vorhabens geführt. Die Kernaussagen zu den Interviews lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Die Sicherheitsthematik lässt einen externen Umschlag in vielen Fällen nicht zu
  • Insbesondere im Outbound-Bereich sind die internen Volumen für einen Bahntransport zu gering
  • Das „Gegenüber“ für einen Bahntransport fehlt
  • Innovative Umschlagstechnologien, sofern sie überhaupt bekannt sind, erscheinen in den meisten Fällen zu kompliziert
  • Die Bereitschaft, Bahntransporte und die Nutzung der eigenen Anschlussbahn zu forcieren, ist vorhanden

Das durch das Sondierungsprojekt ASB-CombiHub angestrebte Vorhaben lässt sich in der Praxis anhand der Projekterkenntnisse nur teilweise umsetzten. Es konnten Anschlussbahnen, die ein hohes Potenzial aufweisen, sondiert werden, jedoch stellt sich der externe Umschlag von Kombinierten Verkehren aufgrund der Sicherheitsthematik als durchaus problematisch dar. Eine verstärkte Nutzung der bestehenden Anschlussbahnen und eine Verlagerung interner Verkehre auf die Schiene sind jedoch dort, wo entsprechende Volumen und ein Gegenüber für den Bahntransport vorhanden sind, durchaus realistisch und gewünscht. Im Rahmen des Projektes wurden gemeinsam mit Anschlussbahnbetreibern konkrete Möglichkeiten identifiziert, die sich für eine Umsetzung im Rahmen eines Folgeprojektes anbieten.